Hotel Rollator


Es wurde der Alltag im Altersheim durch die Zusammenarbeit der hochbetagten Menschen mit den KünstlerInnen im positiven Sinne unterbrochen. Der Projektverlauf machte das Leben jenseits des Jugendwahns sichtbar, verwies auf Vergangenheit in der Gegenwart. Die KünstlerInnen besetzten durch ästhetische Interventionen den realen Raum im Haus, sie unterstützten die BewohnerInnen darin, für ihr Leben einen Ausdruck und eine Bühne zu  finden.

Das ganze Jahr über wurde jeden Freitagvormittag mit den ProjektteilnehmerInnen (alte Menschen und KünstlerInnen) gearbeitet:

Wir haben unzählige Geschichten gehört, gelebte Geschichte in und an Körpern gesehen, gefühlt.  Im Mittelpunkt stand immer die einzelne Person und ihre Geschichte, die einen ästhetischen Ausdruck fand und damit verbunden, die von der Person erzählten Geschichten, die von uns mit Video- und mit Audioaufzeichnungen festgehalten wurden.

Das Erzählen von Geschichten ist ein Anreden gegen das Abstürzen, ein Sich -  Versichern, sowohl der eigenen Person, als auch der Kontexte, an die man sich rückgebunden wissen will. Sich zu erinnern, stiftet Identität und Zukunftsorientierung. Erinnertes Leben konstruiert die eigene Vergangenheit aus der Sicht der Gegenwart, um die eigene Lebensgeschichte lesen und ertragen zu können. Erinnerungsarbeit erfordert auch Trauerarbeit bezogen auf die verloren gegangenen Objekte des eigenen Begehrens, sowie die aufgegebenen Ideale und Symbole.[1] Wo diese Trauerarbeit misslingt, dort mündet der Objektverlust im Selbstverlust. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind die Folge. Wo sie gelingt, steigt die Selbstachtung. Die eigene Lebensgeschichte zu verstehen, zu ertragen und zu erzählen gewinnt  gerade im letzten Abschnitt des Lebens besondere Bedeutung, ja ist sogar die eigentliche Entwicklungsaufgabe dieses Abschnitts. Es geht auch darum vergangene und unerfüllte Wünsche in die Erinnerung zu holen, sie bewusst zu machen, zu würdigen und damit Distanz zu ihnen zu gewinnen und sie loszulassen.

Im Zuhören fiel uns auf, dass sich das Leben – je älter man wird – sich auf immer weniger Geschichten zu reduzieren beginnt. Die werden dafür umso wichtiger. Und genau mit diese Geschichten, vielfach erzählte, mit abgenutzten Formulierungen, mit Sprüngen und Rissen  stellen wir ins Zentrum.

Eine Videokünstlerin und eine Illustratorin reagieren auf die Erzählungen der alten Menschen. Ihre  Geschichten bilden den Ausgangspunkt für Drehbücher zu animierten Filmen (3 Minuten), die mit dem Fotomaterial der Leute aus vorangegangenen Projektphasen und mit Illustrationen arbeiten, die aufgrund der Erzählungen entstehen. Die alten Leute sind die AutorInnen ihrer Geschichten, die KünstlerInnen sind ZuhörerInnen, die dann das Material verdichten, verschneiden, visualisieren und damit nicht nur die Geschichten, sondern auch die Erzählstrukturen alter Menschen abbilden.  In diesen Arbeiten wird jeweils die einzelne Person in den Mittelpunkt gestellt.

Auf einer zweiten Ebene wurde auch der Frage nachgegangen, ob die individuellen Erzählungen ein Zeitgefühl und ein gemeinsames Lebensgefühl, gemeinsame Haltungen und Werte widerspiegeln.

 

In Kooperation mit dem Caritas-Senioren-Pflege- und Wohnhaus St. Peter
In Koproduktion mit dem steirischen herbst und der Diözese Graz-Seckau

 

Die Ergebnisse der Arbeit

mehr Fotos hier…

Kurzfilm “Knitting Dreams”

 


[1]Ricoeur, 2007, S. 268.

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